Von Frick nach Pratteln...

25.03.2018

Die letzte Etappe unseres Pilgerprojektes ist schnell erzählt: Sie begann etwas anders als geplant, dann aber kamen wir in einen guten Rhythmus und es hiess laufen, laufen, laufen - und dazwischen Natur, Sonne, reden, lachen, schweigen... und natürlich viel essen! :-D

Eigentlich hätten wir uns zu sechst auf den Weg machen wollen, morgens um 5 Uhr in Frick waren wir dann aber effektiv nur zu dritt. Da alle Weck(an)rufe bei den fehlenden Mitpilgern nicht ankamen, sind wir dann zu dritt losgelaufen. Etwa eine halbe Stunde nach unserem Start vom Bahnhof Frick konnten wir auf einer Anhöhe den Sonnenaufgang geniessen. Etwas später gab es dann zuoberst auf einer Burgruine und in der schönsten Morgensonne ein wohlverdientes Frühstück...

Über den Tiersteinberg sind wir dann zum Flugplatz Schupfart gekommen, wo wir eine Zeit lang von einem Aargauer Vater und seinem Sohn begleitet wurden, die uns neugierig und belustigt angesprochen hatten, weil wir gut sichtbar zwei Gurken (als Zwischenverpflegung) mit uns trugen und überhaupt die einzigen Wanderer weit und breit waren. Auch wenn es vielleicht etwas komisch aussah, dass wir Gurken mit uns trugen - gelohnt hat es sich! Sie waren dann nämlich sehr schnell gegessen...

Unterwegs sprachen wir viel über Kindheitserinnerungen, über unsere Familien, darüber, was typisch für die Schweiz und für Pakistan und Afghanistan ist, dass es in vielen Ländern das Konzept von "Hobbys" (geschweige denn von Wandern) gar nicht gibt, es wurden Erinnerungen an die gemeinsame Zeit im Asylheim ausgetauscht und Dari, Paschtu und Urdu gelernt (oder zumindest versucht)... Und immer wieder liefen wir auch im Stillen, im Schweigen nebeneinander her – verbunden im Moment, ohne dass jemand etwas hätte sagen müssen.

Die Gegend um den Weiler Looberg ist zwar bewohnt, schien uns aber sonst sehr verlassen - wir haben es aber sehr genossen. Da waren nur die Felder, die Strasse, die Sonne, der Himmel und wir. Vorbei an Zeiningen sind wir dann auf den Sonnenberg hoch und von dort über den Galgen (mit Blick auf Magden) nach Rheinfelden. Laufzeit bis hier (mit Pausen): Etwa 8 Stunden.

Nach einer weiteren Pause am Rheinufer haben wir uns dann an den zweiten Teil der Wanderung gemacht: Den Weg von Rheinfelden nach Basel. Vorbei an einer unglaublich vielfältigen Uferpromenade - vorbei an wunderbaren Naturstücken, Campingplätzen, Badis, Häfen, Gleisen, Schleusen - kamen wir dann bis auf die Höhe von Pratteln. Dort begannen sich – nach knapp 10 Stunden unterwegs – ein schmerzender Knöchel und Blasen an den Füssen zu melden. Nachdem wir so viele Stunden aufeinander acht gegeben hatten, wäre es komisch gewesen, wenn einer oder zwei von uns alleine weitergelaufen wären und so beschlossen wir alle zusammen, die Wanderung abzubrechen und gemeinsam ins JUNG-SEIN zurückzufahren. Wahrscheinlich ist das – im Nachgang zum Projekt – einer der grossen Unterschiede zu den langen Märschen, welche in den letzten Jahren viele Menschen auf der Flucht zurückgelegt haben: Wir mussten nicht laufen, wir durften - und das heisst, wir durften und konnten auch aufhören zu gehen, als es genug war. Andere Menschen können und konnten das nicht.

Eigentlich wären wir nach unserer Ankunft gerne noch in die Offene Kirche gegangen, um dort eine Kerze anzuzünden. Dummerweise war aber gerade an diesem Abend eine geschlossene Veranstaltung, so dass wir nicht reinkonnten. Aber das gehört halt auch zur Offenen Kirche: Die Offenheit dafür, dass auch einmal andere die Kirche nutzen. Jedenfalls - Fügung oder nicht - im JUNG-SEIN angekommen trafen wir gerade in dem Moment auf die anderen Geflüchteten und Freiwillige, als diese einen frisch gebackenen Kuchen anschnitten. Und so durften wir dann bei Kaffee und Kuchen den letzten, langen Pilgertag ausklingen lassen. (Ruhollah fand dann sogar nochmals Energie für eine Runde Pingpong – aber das ist eine andere Geschichte, für ein anderes Mal...)